Franziskanisch verstehen

Das Kloster-ABC bietet Ihnen einen verständlichen Einblick in zentrale Begriffe aus dem Alltag der Ordensgemeinschaft. Es macht spirituelle, liturgische und gemeinschaftliche Grundlagen sichtbar, die das Leben der Mauritzer Franziskanerinnen bis heute prägen.

Franziskanische Werte und geistliche Praxis

Begriffe mit geistlichem Hintergrund

Viele Begriffe des klösterlichen Alltags wirken zunächst ungewohnt – sie spiegeln jedoch die gelebte Spiritualität, Ordnung und Haltung wider, die das Leben der Ordensschwestern gestalten.

Das Kloster-ABC erläutert zentrale Elemente des franziskanischen Lebens: von spirituellen Praktiken wie der Eucharistie und den Stundengebeten über die evangelischen Räte bis hin zu Begriffen wie Tau, Gelübde oder Refektorium. Es macht deutlich, wie tief Glaube und Gemeinschaft im Alltag verwurzelt sind – und wie diese Tradition auch heute noch lebendig ist. Das ABC lädt dazu ein, Hintergründe zu verstehen und mit offenem Blick auf das klösterliche Leben zu schauen.

Armut

Ausgewogene religiöse, fachliche und persönlichkeitsbildende Weiterbildung, die nicht auf einen bestimmten Lebensabschnitt beschränkt ist und dem gelingenden Menschsein dient.

In den franziskanischen Gemeinschaften hat die Armut besondere Bedeutung, weil Franz von Assisi radikal nach diesem „evangelischen Rat“ lebte. Das Teilen und die Geschwisterlichkeit gehören zur franziskanischen Grundhaltung, die davon getragen ist, alles gemeinsam zu haben und die sich in einem einfachen Lebensstil ausdrückt.

Die Armut betrifft den Umgang mit den materiellen Gütern, mit der Zeit, mit den individuellen Fähigkeiten und Grenzen sowie die Bereitschaft, sich selbst zugunsten der Gemeinschaft einzubringen oder zurückzustellen.

Das Gelübde der Armut betrifft das Loslassen des persönlichen materiellen Besitzes, das Loslassen von Sicherheiten, das Loslassen von geistigem Besitz und das Freisein von persönlichen Vorstellungen mit dem Gedanken, dass Christus der Reichtum ist. Politisch verstanden ist die freiwillige Armut ein Akt der Solidarität mit den unfreiwilligen Armen unserer Zeit.

Der Lobgesang des Zacharias nach Lukas 1,58-79 wird im kirchlichen Stundengebet als Teil jedes Morgenlobs (Laudes) gebetet. Betrachtung Lesung und Auseinandersetzung mit einem Text der Heiligen Schrift oder einem anderen geistlichen Text.
Männlicher Ordensangehöriger ohne Priesterweihe
Ein- oder mehrstimmiger Gesang des Stundengebetes oder der Messtexte
Am Leben Jesu orientierte Haltung der Wertschätzung und der Bereitschaft, sich für andere einzusetzen. Entspricht der Weisung Jesu im Matthäus-Evangelium: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“

Auch „Jungfräulichkeit“ oder „ehelose Keuschheit“

Gemeint ist der freiwillige Verzicht auf das Leben in einer Ehe um der Liebe zu Gott willen. Die Ehelosigkeit ist einer der „evangelischen Räte“.

Ehelos leben bedeutet nicht, in Beziehungslosigkeit zu leben. Die Ehelosigkeit weitet den Blick über die eigene Familie hinaus auf die Menschheitsfamilie. Die Ehelosigkeit ist Antwort des ganzen Menschen auf die Liebe Gottes, der diese Liebe in die Welt trägt und sein Leben ganz verfügbar für Gott und die Menschen gestaltet. Politisch gesehen ist die Ehelosigkeit ein Zeichen der Solidarität mit den unfreiwillig einsamen Menschen.

Feier der Danksagung im Bewusstsein der Gegenwart Gottes in Brot und Wein und im gemeinsamen Mahl. Die Eucharistiefeier ist ein wichtiger Akzent im Tagesablauf eines Klosters als Begegnung mit Jesus Christus im Sakrament und Wort.

Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam sind nach katholischer Lehre nicht verpflichtende Weisungen für ein Leben in der Nachfolge Jesu. Ordensangehörige verpflichten sich immer zu diesen drei Lebensweisen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten je nach Ordensregel.

Mit einem Leben nach diesen „evangelischen Räten“ stellt sich ein gläubiger Mensch Gott ohne Wenn und Aber zur Verfügung. Daraus ergibt sich die Aufgabe, nach Kräften und entsprechend der eigenen Berufung und Fähigkeiten durch Gebet und tätiges Wirken Gott und den Menschen zu dienen.

Jährliche eingeplante Zeit, die der Erneuerung der Beziehung zu Gott und der Vertiefung des persönlichen Glaubenslebens dient.
Ausgewogene religiöse, fachliche und persönlichkeitsbildende Weiterbildung, die nicht auf einen bestimmten Lebensabschnitt beschränkt ist und dem gelingenden Menschsein dient.

Mitglieder einer Gemeinschaft, die sich an der Lebensweise und Spiritualität des heiligen Franziskus orientiert; im 12. Jahrhundert zunächst ein reiner Bettelorden. Gemeinsames Symbol ist das TAU, ein Buchstabe des griechischen und hebräischen Alphabets, den Franziskus in Anlehnung an eine Aussage des alttestamentlichen Buchs Ezechiel als Segenszeichen benutzte.

Anliegen des franziskanischen Lebensstils sind: Einfachheit, Brüderlichkeit beziehungsweise Geschwisterlichkeit, Sorge für die Armen, Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung, für Frieden und Gerechtigkeit, zeitgemäße Verkündigung des Evangeliums.

Männer und Frauen, die sich von der Lebensweise des heiligen Franziskus haben ansprechen lassen und nach seinem Vorbild die Nachfolge Jesu leben. Es bildeten sich im Laufe der Geschichte viele Gemeinschaften, die sich als franziskanische Familie verstehen:

Im sogenannten „Ersten Orden“ leben Franziskaner, Kapuziner und Minoriten.

Den „Zweiten Orden“ bilden die Klarissen und Kapuzinerinnen.

Im „Dritten Orden“ leben Männer und Frauen zum Teil in klösterlichen Gemeinschaften („Regulierter Dritter Orden“) oder als Mitglieder der „Franziskanischen Gemeinschaft“, verheiratet oder ehelos.

Einer der drei „evangelischen Räte“

Gemeint ist nicht eine hierarchische Struktur, sondern das im Dialog praktizierte persönliche und gemeinschaftliche Hinhören auf den Willen Gottes. Nach diesem Verständnis sind Offensein und Aufmerksamkeit für die Zeichen der Zeit Ausdruck von Gehorsam.

Politisch gesehen ist der Gehorsam ein Zeichen der Solidarität mit denen, die in unserer Gesellschaft keine Macht und keine Stimme haben.

Öffentliches Versprechen gegenüber Gott, in Armut, Gehorsam und eheloser Keuschheit zu leben.
Generalleitung einer Ordensgemeinschaft, die mit der Wahrnehmung aller Aufgaben auf internationaler Ebene betraut ist.
Alle sechs Jahre stattfindende internationale Konferenz, an der gewählte Delegierte und von Amts wegen vertretene Schwestern teilnehmen. Dort wird die Generalleitung gewählt sowie das Leben der Gemeinschaft geprüft und es werden neue Impulse gegeben.
Für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählte Leiterin der internationalen Ordensgemeinschaft.
Dieses gewählte Gremium leitet zusammen mit der Generaloberin die internationale Ordensgemeinschaft für eine Amtszeit von sechs Jahren.
Bezeichnung für eine bestimmte Zeit des Gebetes wie Laudes, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet, welche gemeinsam oder privat gebetet werden.
Phase der Ordensausbildung, in der die Schwester unter zeitlich begrenzten Gelübde lebt; es endet mit der Ewigen Profess.
Etwa einjährige Zeit der Orientierung und des Kennenlernens der Ordensgemeinschaft vor dem Ordenseintritt.
Räume einer Hausgemeinschaft, die nicht öffentlich zugängig sind
Gebäude, in dem eine Gemeinschaft von Ordensleuten lebt
Nachtgebet, ein Teil des Stundengebetes
Internationale Regelungen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens, die sich aus dem Selbstverständnis der Gemeinschaft ergeben. Sie werden in den Generalkapiteln verfasst und aktualisiert.
Hausgemeinschaft von Ordensleuten in unterschiedlicher Anzahl
Versammlung der Hausgemeinschaft, in der alltägliche Belange miteinander besprochen und beschlossen werden
Leiterin einer Hausgemeinschaft
Morgenlob, Teil des kirchlichen Stundengebetes
Dieser Lobgesang von Maria nach dem Lukas-Evangelium ist Teil der Vesper, das heißt, er wird im kirchlichen Stundengebet in jedem Abendlob gebetet.
Auftrag des gelebten Zeugnisses und der Verbreitung des christlichen Glaubens
Selbstverständnis und Verhaltensleitlinie einer Gemeinschaft, Organisation oder Unternehmung
Nationales Zentrum einer Ordensgemeinschaft
Eine Frau, die in der Ausbildungszeit ist und noch keine Gelübde abgelegt hat
Ausbildungszeit einer Novizin, kirchenrechtlich mindestens 12 Monate
Frauen, die in einer kontemplativen Ordensgemeinschaft leben
Schwester, die für die finanziellen Belange der Gemeinschaft zuständig ist
Geistliche Gemeinschaft von Frauen oder Männern, die kirchenrechtlich anerkannt ist und deren Mitglieder nach einer bestimmten Ordensregel leben
Frauen und Männer, die in einer Ordensgemeinschaft leben
Die Abkürzung steht für Ordo Sancti Francisci, die lateinische Bezeichnung der Kongregation. Einige der zum Regulierten Dritten Ordens des Hl. Franziskus gehörenden Franziskanerinnen verwenden das Ordenskürzel in ihrem Ordensnamen. Die Kürzel dienen als weltweit erkennbare Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Ordensgemeinschaft.
Erste Ausbildungsphase in einer Ordensgemeinschaft
Nationale oder regionale Zusammenschlüsse von Konventen einer Ordensgemeinschaft Zu den Franziskanerinnen Münster gehören eine deutsche, polnische, amerikanische, japanische und indische Provinz mit unterschiedlich vielen Konventen, die jeweils unter der Leitung einer Provinzoberin steht. Jede Provinz hat eine eigenständige Finanz- und Vermögensverwaltung.
Leitet mit ihrem Rat die Provinz und wird für 4 Jahre gewählt
Speisesaal von Ordensleuten
Besteht wie die Provinzen aus einer Anzahl von Konventen, die der Regionaloberin unterstehen. Im Unterschied zur Provinz hat eine Region keine eigenständige Finanz- und Vermögensverwaltung.

Eines der katholischen Grundgebete
Der Rosenkranz ruft in meditativer Wiederholung bestimmte Heilsereignisse – etwa die Menschwerdung Gottes, Leiden und Sterben Jesu und die Auferstehung – ins Bewusstsein.

Teil des kirchlichen Stundengebets (siehe Hore).
Das Tau ist der 19. Buchstabe des griechischen Alphabets. Schon im Alten Testament steht es im Zusammenhang mit Befreiung und Erneuerung des Lebens. Weil es der heilige Franziskus liebte – er zeichnete das T auf Bäume und Tiere, auf Gegenstände und Gebäude, und unterzeichnete seine Briefe damit – ist das Tau zum Kennzeichen der franziskanischen Bewegung mit ihrer Friedens- und Befreiungsbotschaft geworden.
Abendgebet der Kirche, Teil des kirchlichen Stundengebetes.