Franziskanisch verstehen
Das Kloster-ABC bietet Ihnen einen verständlichen Einblick in zentrale Begriffe aus dem Alltag der Ordensgemeinschaft. Es macht spirituelle, liturgische und gemeinschaftliche Grundlagen sichtbar, die das Leben der Mauritzer Franziskanerinnen bis heute prägen.
Franziskanische Werte und geistliche Praxis
Begriffe mit geistlichem Hintergrund
Viele Begriffe des klösterlichen Alltags wirken zunächst ungewohnt – sie spiegeln jedoch die gelebte Spiritualität, Ordnung und Haltung wider, die das Leben der Ordensschwestern gestalten.
Das Kloster-ABC erläutert zentrale Elemente des franziskanischen Lebens: von spirituellen Praktiken wie der Eucharistie und den Stundengebeten über die evangelischen Räte bis hin zu Begriffen wie Tau, Gelübde oder Refektorium. Es macht deutlich, wie tief Glaube und Gemeinschaft im Alltag verwurzelt sind – und wie diese Tradition auch heute noch lebendig ist. Das ABC lädt dazu ein, Hintergründe zu verstehen und mit offenem Blick auf das klösterliche Leben zu schauen.
Armut
In den franziskanischen Gemeinschaften hat die Armut besondere Bedeutung, weil Franz von Assisi radikal nach diesem „evangelischen Rat“ lebte. Das Teilen und die Geschwisterlichkeit gehören zur franziskanischen Grundhaltung, die davon getragen ist, alles gemeinsam zu haben und die sich in einem einfachen Lebensstil ausdrückt.
Die Armut betrifft den Umgang mit den materiellen Gütern, mit der Zeit, mit den individuellen Fähigkeiten und Grenzen sowie die Bereitschaft, sich selbst zugunsten der Gemeinschaft einzubringen oder zurückzustellen.
Das Gelübde der Armut betrifft das Loslassen des persönlichen materiellen Besitzes, das Loslassen von Sicherheiten, das Loslassen von geistigem Besitz und das Freisein von persönlichen Vorstellungen mit dem Gedanken, dass Christus der Reichtum ist. Politisch verstanden ist die freiwillige Armut ein Akt der Solidarität mit den unfreiwilligen Armen unserer Zeit.
Benedictus (lat.:benedicere): Gutes wünschen, segnen
Bruder
Choral
Dienen/Demut
Einkleidung
Auch „Jungfräulichkeit“ oder „ehelose Keuschheit“
Gemeint ist der freiwillige Verzicht auf das Leben in einer Ehe um der Liebe zu Gott willen. Die Ehelosigkeit ist einer der „evangelischen Räte“.
Ehelos leben bedeutet nicht, in Beziehungslosigkeit zu leben. Die Ehelosigkeit weitet den Blick über die eigene Familie hinaus auf die Menschheitsfamilie. Die Ehelosigkeit ist Antwort des ganzen Menschen auf die Liebe Gottes, der diese Liebe in die Welt trägt und sein Leben ganz verfügbar für Gott und die Menschen gestaltet. Politisch gesehen ist die Ehelosigkeit ein Zeichen der Solidarität mit den unfreiwillig einsamen Menschen.
Eucharistie (griech.: eucharistia) Danksagung
Evangelische Räte
Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam sind nach katholischer Lehre nicht verpflichtende Weisungen für ein Leben in der Nachfolge Jesu. Ordensangehörige verpflichten sich immer zu diesen drei Lebensweisen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten je nach Ordensregel.
Mit einem Leben nach diesen „evangelischen Räten“ stellt sich ein gläubiger Mensch Gott ohne Wenn und Aber zur Verfügung. Daraus ergibt sich die Aufgabe, nach Kräften und entsprechend der eigenen Berufung und Fähigkeiten durch Gebet und tätiges Wirken Gott und den Menschen zu dienen.
Exerzitien (lat.: exercitatio)
Formation
Franziskaner/innen
Mitglieder einer Gemeinschaft, die sich an der Lebensweise und Spiritualität des heiligen Franziskus orientiert; im 12. Jahrhundert zunächst ein reiner Bettelorden. Gemeinsames Symbol ist das TAU, ein Buchstabe des griechischen und hebräischen Alphabets, den Franziskus in Anlehnung an eine Aussage des alttestamentlichen Buchs Ezechiel als Segenszeichen benutzte.
Anliegen des franziskanischen Lebensstils sind: Einfachheit, Brüderlichkeit beziehungsweise Geschwisterlichkeit, Sorge für die Armen, Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung, für Frieden und Gerechtigkeit, zeitgemäße Verkündigung des Evangeliums.
Franziskanische Ordensfamilie
Männer und Frauen, die sich von der Lebensweise des heiligen Franziskus haben ansprechen lassen und nach seinem Vorbild die Nachfolge Jesu leben. Es bildeten sich im Laufe der Geschichte viele Gemeinschaften, die sich als franziskanische Familie verstehen:
Im sogenannten „Ersten Orden“ leben Franziskaner, Kapuziner und Minoriten.
Den „Zweiten Orden“ bilden die Klarissen und Kapuzinerinnen.
Im „Dritten Orden“ leben Männer und Frauen zum Teil in klösterlichen Gemeinschaften („Regulierter Dritter Orden“) oder als Mitglieder der „Franziskanischen Gemeinschaft“, verheiratet oder ehelos.
Gehorsam
Einer der drei „evangelischen Räte“
Gemeint ist nicht eine hierarchische Struktur, sondern das im Dialog praktizierte persönliche und gemeinschaftliche Hinhören auf den Willen Gottes. Nach diesem Verständnis sind Offensein und Aufmerksamkeit für die Zeichen der Zeit Ausdruck von Gehorsam.
Politisch gesehen ist der Gehorsam ein Zeichen der Solidarität mit denen, die in unserer Gesellschaft keine Macht und keine Stimme haben.
Gelübde
Generalat
Generalkapitel
Generaloberin
Generalrat
Hore (lat.)
Juniorat
Kandidatur
Klausur
Kloster
Komplet
Konstitutionen
Konvent
Konventskapitel
Konventsoberin
Laudes
Magnificat
Mission
Mission Statement/Leitbild
Mutterhaus
Novizin
Noviziat
Nonnen
Ökonomin
Orden
Ordenschristen
OSF
Postulat
Provinz
Provinzoberin
Refektorium
Region
Rosenkranz
Eines der katholischen Grundgebete
Der Rosenkranz ruft in meditativer Wiederholung bestimmte Heilsereignisse – etwa die Menschwerdung Gottes, Leiden und Sterben Jesu und die Auferstehung – ins Bewusstsein.